HORACEE ARNOLD

Tribe/Tales Of The Exonerated Flea (Art of Groove)


  • 2CD
  • Date : 29.04.2011
  • Package : 2CD Digipak
  • Running Time CD 1 : 47:37
  • Running Time CD 2 : 44:19

HORACEE ARNOLD – TRIBE/TALES OF THE EXONERATED FLEA

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Tribe
Für Horacee Arnold ist Tribe, der „Volksstamm“, mehr als der Titel eines Songs oder eines Albums. Er ist vielmehr Mit-telpunkt seiner Musik und der Art und Weise, das Leben zu betrachten. „Für mich“, sagt Horacee, „ist Stamm ein ande-res Wort für Familie. Die Familie – der Stamm – ist schon immer die zentrale Einheit gewesen, Menschen zu einem ge-meinsamen Ziel zusammenzubringen. Leider“, fügt er hinzu, „neigt die moderne Gesellschaft mit ihrer Technologie, ihrem Materialismus, ihren Kriegen dazu, Familie zu zerstören. Das ist in Amerika und Europa passiert, und es passiert ebenso in Asien und Afrika, wo der Stamm traditionell im Mittelpunkt der Gesellschaft steht. Die Warmherzigkeit, die der Inbegriff einer solchen Volksgruppe ist, geht verloren und die Menschheit entfernt, entfremdet sich gar, immer weiter voneinander. Es gibt nur noch selten das Gefühl von wahrer Zusammengehörigkeit und gemeinsamem Ziel.“ Mit seiner Musik hat sich Horacee die Aufgabe auferlegt, die Essenz des Stammes wiederzubringen. Sie zeigt sich auf dieser Aufnahme, in der Horacee erstmals als Bandleader agiert, wie ein Tanz, welcher für eine solche Menschen-gruppe seither Ausdruck der Freude ist, sie repräsentiert einen vereinenden Zweck. Die sieben Musiker auf der CD vollführen schon unter sich einen Tanz: In einer Sequenz kommen sie zusammen, indem sie einander genau zuhören und indem sie der Musik das geben, was ihr gut tut.
Der erste Teil, nehmen wir „Tribe“, zeigt die Geschlossenheit der Band. Schon in den anfänglichen Zusammenspielen von Horacee und Gitarrist Ralph Towner gibt es da das Bewusstsein, Teil eines Ganzen zu sein, einander unterstützen zu müssen. Und wie sich das Werk entwickelt, legen sich mehr und mehr Schichten übereinander, bis Horacee, Ralph, Percussionist Ralph MacDonald und Bassist George Mraz eine volle, rythmische Ausgangslage für Saxophonist Joe Farrell und Vibraphonist David Friedman geschaffen haben. Dieser wohldefinierte musikalische Rahmen bietet den beiden Musikern nun maximale Freiheit. Friedman und Farrell unterstützen sich gegenseitig ebenso wie den Rest der Band. Nichts steht für sich allein. Die Musik ist mehr als nur ein einfacher Ausdruck der technischen Fähigkeiten der Musiker oder der Tatsache, dass die Sessions extrem gut liefen, oder dass jeder der Musiker auf den anderen eingespielt war (wovon alles der Fall war).
In jeder seiner Kompositionen (Horacee schrieb bis auf zwei Songs alle Stücke des Albums) plante Arnold alles sehr einfach und klar – und hat immer etwas Musikalisches zu sagen. „Ich glaube, dass die Musik am kraftvollsten ist“, sagt Horacee, „wenn die Dinge einfach gesagt werden, aber mit viel Bedeutung.“ „Tribe“ ist in vier Teile gesplittet. Der Anfang ist andächtig: Es ertönt ein Ruf von Joes Altflöte, während Dave und Horacee die Percussions gigantisch anschwellen lassen. Das Stück wechselt in den 6/4 Takt und Ralph Towner kreiert auf der Gitarre einen Sitar-Sound, um das Werk in einen asiatische Richtung zu lenken. Nun folgt eine sehr frei gespielte 6/8 Sequenz, voll im Zeichen des afrikanischen Feelings. Schließlich findet das Werk am Ende zurück zu dem andächtigen Ruf.
Den Banyanbaum findet man nur in Asien. Seine riesigen Zweige hängen bis auf den Boden, sodass er wie ein Mai-baum geformt ist – zum Spielen für Kinder wie gemacht.
Man beachte besonders die Entwicklung des Frage-Antwort-Spiels zwischen Joe und Dave oder auch Daves Fähig-keit, das Vibraphon wie ein Klavier zu bearbeiten. Horacee schrieb „Forest Games“ vor sieben Jahren. „Spiele tragen für mich eine bedeutende Rolle“, sagt er. „Sie stellen eine bestimmte Art der Unschuld dar, die meiner Ansicht nach verloren gegangen ist. Obwohl viele Menschen sie in Wettbewerbe oder Drohungen verwandeln, finde ich, dass sie vor allem jene wunderbare Naivität der Kindheit ausdrücken.“
Die Obstgärten von Engedi befinden sich in der Wüste Negev, 36 Meilen entfernt von Jerusalem. Sie sind prall und erquickend und markieren einen großartigen Kontrast (und eine Erlösung) zu der unfruchtbaren Wüste rundherum. „Ich empfinde Obstgärten als sehr belebend“, sagt Horacee.
Nachdem George die Komposition solo einleitet, gibt Tenorsaxophonist Billy Harper die wehmütige, ja, beinahe schon nostalgische Melodie vor. Diese wird abgelöst von Daves energischem Spiel, das in einer kurzen, humorvollen Konversation mit George und Horacee endet.
„The Actor“ bezieht sich auf einen vierjährigen Jungen, dem Horacee zusah, wie er die Kunst der Pantomime einüb-te. Das war 1962, während er mit Alvin Ailey durch Japan tourte. Der Boyaner war nicht nur ein exzellenter Mime, er konnte seinem Gesicht auch einen sehr verschrobenen Ausdruck geben. Bei diesem Song wollte Horacee, dass jeder der Musiker zu einem Schauspieler wird und sich beim Performen sozusagen in jemand anderen verwandelt. In den Stücken, die mit Solos von Horacee beginnen und enden, findet man einige der am freiesten gespielten Passagen des Albums.
Dave Friedmans Beitrag zu der Platte ist „Professor Moriarty“. Dieses wahnsinnig rhythmische Werk dauert zwar nur 41 Sekunden, kreiert mit dem leisen Ein- und Aussetzen der Musiker dennoch eine Unmenge verschiedener Strukturen. Der letzte Song des Albums nennt sich „500 Miles High“ und ist von Chick Corea, mit dem Horacee früher spielte (sie performten zusammen auf Chicks großartiger Aufnahme „Is“, auf Solid State Records). Wie die meisten von Core-as Kompositionen bietet er eine Fülle von melodischem und rhythmischem Material. Außerdem lässt er Billy und Dave alle Freiheiten, sich zu entfalten.
Tribe repräsentiert einen zweifachen Startpunkt in der Karriere des Horacee Arnold. Obwohl er bereits seit 13 Jahren professionell musizierte und das schon an der Seite von Persönlichkeiten wie Bud Powell, Charles Mingus, Stan Getz und Chick Corea, ist dieses Album für die meisten Menschen ein Beleg für seine Begabung als Musiker und Künstler. Es ist zudem ein Anfangspunkt bezüglich seines Glaubens an den Volksstamm. „Eines Tages werden wir  zum Aus-gangspunkt der Gesellschaft zurückkehren und dieser Stamm (und alles, was er repräsentiert) wird in dem Leben eines jeden eine große Bedeutung haben.“ Horacee versucht natürlich nicht, die Welt zu verändern. Aber mit seiner Musik weiß er, wo er damit anfangen muss.

 
TALES OF THE EXONERATED FLEA
Es ist wahr, dass Musik mit der Strömung der Zeit in all ihren Facetten gereist ist. Wir haben gelernt, inwiefern sie den Menschen in früheren Zeiten bis heute dabei geholfen hat, Gefühle auszudrücken. Egal, um welche ethnische Gruppe es sich handelt – die Musik diente stets als dynamisches Medium des Ausdrucks.
Einige Menschen haben es jedoch offensiver beabsichtigt, ihre Emotionen, Ziele und Darbringungen zu veranschau-lichen. Die Musik von Horacee Arnold ist expressiv – Musik voller Gefühl und Erfahrung; Musik, suchend und einla-dend. Einladend zu reizvollen Geschichten für die Ohren des Zuhörers, ansässig im Strom der Zeit, in dem Komfort der eigenen süßen Fantasien und in der Kraft von üppiger Größe. Wir hören „The Exonerated Flea“, das – nicht un-ähnlich zum Menschen – bestrebt ist, zu bestechen und zu überzeugen…mit diesen starken, saftigen Melodien von süßer Befreiung und Rechtfertigung.
Aber was ist mit dem Verstehen (oder Missverstehen) … wie in dem Fall von „Night Jar“, das sich mit seinen Wen-dungen und Schnörkeln wild im Kreise dreht, während der Gesang durch die Generationen reist? Mit pulsierenden Rhythmen und einem Wechsel von struktureller Dichte zu intensiven Farben helfen uns Horacee, Jan, Ralph, Art und Dave, mehr von „Night Jar“ zu hören als nur seine luftigen, wirbelnden Höhenflüge. Lauschen Sie den Musikern auf-merksam, wie sie in „Delicate Evasions“ mitwirken, evasions – Ausflüchte -, die einen an andere Orte befördern… Eine Reise, die uns rechtzeitig zu einem Ort der Stille bringt… Eine Stille wie die in „Euroaquilo“, der Platz, an dem Befrei-ung schließlich verlöscht. Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass auf den Sturm die Ruhe, die Erlösung folgt… der Mo-ment, an dem sich die besänftigende Decke der Freude über alles legt. Wenn man nun also von einem „lächelnden“ Genezareth („Chinnereth II“) – metaphorisch gesprochen – ausgeht, so tut es dies, weil dort die Reisen von „Night Jar“ enden. Und wir hören das wahrhaftige Lied der glücklichen Menschheit, die reich ist an Leben, Tanzen, Singen, Frohlocken in dieser letzten Ankunft.

Tracklisting:

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TRIBE
1.     TRIBE (10:14)
2.     BANYAN DANCE (7:31)
3.     FOREST GAMES (2:25)
4.     ORCHADS OF ENGEDI (10:42)
5.      THE ACTOR (6:54)
6.     PROFESSOR MORIARTY (0:40)
7.     500 MILES HIGH (9:11)

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TALES OF THE EXONARATED FLEA
1.     PUPPET OF THE SEASON (4:28)
2.     SING NIGHTJAR (11:06)
3.     BENZÉLÉ WINDOWS (6:52)
4.     TALES OF THE EXONARATED FLEA (3:43)
5.     DELICATE EVASIONS (4:27)
6.     CHINNERETH II (8:03)
7.     EUROQUILO SILENCE (5:40)

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