Trilok Gurtu

Collector's Premium Jazz -
Crazy Saints & Believe (Art of Groove)


  • Doppel CD
  • Date : 30.05.2014
  • Package : CD Digipack
  • Running Time CD 1 : 50:48
  • Running Time CD 2 : 59:40

Trilok Gurtu – Crazy Saints & Believe

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“Ich mag den Terminus Weltmusik nicht. Er ist ein Schimpfwort geworden, das benutzt wird, um Musik mit Elementen nichtwestlicher Kulturen zu kategorisieren. Entweder ist jede Art Musik Weltmusik oder keine. Es gibt also keinen Grund für den Gebrauch dieses Terminus. Zumindest solange nicht, bis Musiker vom Mars die Szene betreten.”

Konfrontiert mit der medialen Praxis, so gut wie Alles Improvisiertes unter dem Begriff Jazz zu subsumieren und alles, was nicht mehr in diesen riesigen Luftblasen-Sack passt, als Weltmusik zu etikettieren, hat er eine verständliche Aversion gegen die Schubladen-Rhetorik entwickelt. Und wenn Trilok Gurtu die Phase, die diese beiden Alben dokumentieren, als Bollywood-Jazz bezeichnet, dann nicht ohne Augenzwinkern.

Als „Crazy Saints“ veröffentlicht wird, verkündet er: „Kein Ost/West mehr!“ Nicht willens, die Rolle des für den wachsenden musikalischen Ethno-Supermarkt arbeitenden Lieferanten exotischer Gewürze zu übernehmen. Indische Kultur als klingender Curry? Nein, danke.

Schon nach der Veröffentlichung von seinem 88er Debüt „Usfret“ hatte Gurtu vorhergesagt, sich nicht wiederholen, sondern etwas anderes machen zu wollen. „Crazy Saints“ präsentiert zwar erneut seine Mutter, die in Indien sehr bekannte Sängerin Shobha Gurtu. Doch auf dem Album tauchen mit Pat Metheny und Joe Zawinul auch zwei weltbekannte „Jazz“-Größen auf. Dies sorgte zweifellos für zusätzliche Aufmerksamkeit, entscheidend aber war, dass er in einem Musiker wie Zawinul einen ästhetischen Gesinnungsgenossen gefunden hatte, der für die Idee einer sich aus globalen Ressourcen speisenden Musik mit eigener, persönlicher Handschrift stand. Die Haltung ist es, die Gurtu interessiert. Jazz hin oder her.

„Believe“ markiert den nächsten Schritt. „Crazy Saints“ ist mittlerweile Name einer working band, und er hat Gleichgesinnte gefunden: im Franzosen Daniel Goyone (Intimkenner indischer, afrikanischer und südamerikanischer Musiksprachen – nicht von ungefähr auf den ersten Gurtu-Alben eine personelle Konstante und von ihm als „musikalischer Bruder“ bezeichnet), im Amerikaner David Gilmore und in Chris Minh Doky, einem in New York lebenden Dänen vietnamesischer Abstammung. Und was spielen sie? Jazz, Rock, Rockjazz, Funk, durchzogen von indischen, afrikanischen, brasilianischen Einflüssen und einigem anderen mehr, you name it.

Asien, Afrika, Nord- und Südamerika, Europa. Ein interkontinentaler Brückenschlag. Schon als junger Musiker in Mumbai (dem früheren Bombay) kommt ihm viel Nicht-Indisches zu Ohren – Hendrix, Cream, Otis Redding, Sly Stone, John Coltrane, Hermeto Pascoal, Musik vom Schwarzen Kontinent, europäische Klassik. Gurtu war bei seinen ersten Rendezvous mit westlichen Kollegen weitaus besser vorbereitet als umgekehrt. Eine Erfahrung, die ihn nur darin bestärkt, seinen eigenen Weg zu gehen. Er will weg vom Image des indischen Musikers, hin zu einem Musiker, der ursprünglich aus Indien kommt.

Alben werden gerne als Kapitel begriffen, als Kapitel in einem Buch mit offenem Ende. „Crazy Saints“ und „Believe“ dokumentieren vordergründig eine Umbruchphase, in der Gurtu sich neu orientiert. Vor allem die Bonustracks (ein Live-Mitschnitt von Radio Bremen, aufgenommen zwischen beiden Studioproduktionen) belegen, dass Jazz zu diesem Zeitpunkt noch ein wesentlicher Bestandteil seiner Musik ist. Dies sollte sich in der Folgezeit ändern: Die oft beschworene „Offenheit“ des Jazz empfindet er zunehmend als das Gegenteil, als einengend. Letztlich sind es Kapitel, die für seine bis heute andauernde Suche nach einer Musik stehen, die die Welt umfasst und doch seine ist. Gurtu wird gern als musikalischer Weltbürger bezeichnet, als Mittler. Seine einzigartige Integration von Drumset und Perkussionsarsenal ist Ausdruck seines Selbstverständnisses: weder Schlagzeuger noch Perkussionist, sondern: Musiker. Offen für vieles. Die Kollegen vom Mars können gerne kommen.
Karsten Mützelfeldt

 

 

Player

Tracklisting:

CD 1:

  1. Manini ( Pat Metheny) 07:06
  2. Tillana 04:12
  3. Ballad For Two Musicians (feat. Joe
    Zawinul) 06:08
  4. The Other Tune (feat. Joe Zawinul) 07:39
  5. Blessing In Disguise 09:26
  6. Crazy Saints (feat. Pet Metheny) 08:19
  7. No Discrimination 03:38

Bonustrack:

  1. No Discrimination (Live Live, 29.11.1993,

Kito, Bremen)                                        04:20

CD 1 Total:                                                  50:48

 

CD 2:

  1. Believe 06:25
  2. Vak 06:45
  3. Carlinhos (dedicated to Carlinhos Brown) 06:24
  4. Offering 06:17
  5. The Western Front 05:32
  6. Fourth Moon 06:09
  7. Protector 07:08
  8. Sidewalk 05:57

Bonustrack:

  1. Vak (Live, 29.11.1993, Kito, Bremen) 08:54

CD 2 Total:       59:40