• CD
  • Date : 26.01.2017
  • Package : CD Digipack
  • Running Time CD : 39:17

Gestatten, Grenzgänger: Marius Tillys Gegenwart

Marius Tilly gilt heute als musikalischer Weltenwandler, der vom Ruhrgebiet aus seinen eigenen Crossover-Atlas aus Landkarten des Blues, Punk, Soul und Psychedelic Rock gezeichnet hat. Er ist damit auf der Suche nach immer neuen Reiserouten, die zu spannend sind, um zwingend irgendwo enden zu müssen. Die Reise führt auf Tillys viertem Album Words From The Wilderness zu wagemutigen Arrangements, bislang ungehörten Sounds und neuen persönlichen Einsichten in die Welt. Für seine mitunter steilen musikalischen Thesen muss Tilly die Bodenständigkeit seiner Ruhrpott-Heimat Bochum nicht verlassen.

Dort entsteht in weniger als acht Wochen das Grundgerüst der zwölf Songs auf Words From The Wilderness. Das Album wirkt mutiger, tiefgründiger und auch eine Spur ernster als sein Vorgänger Nebula Rising – eher wie ein Glas Rotwein als ein frisch gezapftes Pils. Tilly: „Der Eindruck mag auch damit zusammenhängen, dass ich vor einiger Zeit Nick Cave und seine unorthodoxe Art, Musik zu machen für mich entdeckt habe. Auf dem neuen Album haben oft die Texte den Ausgangspunkt gebildet. Words From The Wilderness ist auch die erste Platte, auf der ich etwas gesellschaftskritischer werde.“

Inzwischen steht der Mann mit Schnauzer (immer) und Hut (immer öfter) erheblich freigeistiger da als die traditionelle Bluesrock-Kiste, in der Tilly das musikalische Parkett einst betreten hat. Weiterhin im Trio-Line-Up unterwegs geht es Tilly als nächstes darum, den stilistischen Wagemut des neuen Albums auch live zu transportieren – in bis zu 60 Shows im Jahr beginnend mit der „Words From The Wilderness“ Tour im Februar (siehe Termine unten).

Bye Bye, Bluesschema: Marius Tillys Vergangenheit

Aus den Wurzeln des Blues ist über Jahrzehnte ein derart großer Genre-Baum geworden, dass sich seine Blätter und Früchte nicht mehr zwingend ähneln müssen. In Skandinavien lassen Blues Pills, Troubled Horse oder Horisont die Essenz des Blues-beeinflussten Hardrock zum x-ten Mal aufleben. In der US-Heimat des Blues wachsen dank Jack White, Rival Sons oder Black Stone Cherry neue starke Äste aus dem großen Erbe. Europäische Bands wie The Brew oder Navarone zehren ebenso vom Blues wie der psychedelisch-ekstatische Sound von Kadavar, während Led Zeppelin in den australischen Wolfmother längst würdige Nachlassverwalter gefunden haben.

Irgendwo in diesem Baum sitzt auch Marius Tilly.

Musiker wie er profitieren vor allem von der frischen Luft, die oben in der Baumkrone des modernen Blues weht. Wie viel Ähnlichkeit mit den Blues-Roots auf Words From The Wilderness noch hörbar sind, ist eine Frage der Perspektive. Fest steht, dass Marius Tilly den ganzen Weg von der Wurzel bis nach oben aus eigener Erfahrung kennt.

Tillys Debüt Blue Colors Red Lights und der Nachfolger Come Together erfuhren in der amerikanischen Heimat des Blues bei der International Blues Challenge hohe Weihen. Vom klassischen Blues und seinen Konventionen hat sich Tilly da innerlich längst verabschiedet.

Sein drittes Album Nebula Rising geht in den deutschen Musikmedien 2016 eher als Funk-infiziertes Indierock-Album mit einer gehörigen Wolke Wüstenstaub durch. Schmissige Riffs und Bass/Schlagzeug-Ohrfeigen in Songs wie Vespa beweisen, wie sehr Tilly auch durch die Punk-beeinflussten Bands der 90er Jahre geprägt ist. Der konservativen Blues-Szene ist Marius Tilly da schon längst zu abgedreht. Nachgeweint hat der inzwischen zum eigenständigen Songwriter herangewachsene Tilly dieser Entwicklung nie. Im Gegenteil.

Martin Iordanidis

Tracklist:

The World's End 03:38
The Ladder 04:09
Back On Track 03:23
Sold Out 03:14
The Wilderness 00:40
Are You Ready To Go 03:57
War 03:16
Mr. Kites Memorial 03:20
Land Of Grains 03:19
Hercules 03:15
Bankrobber 03:22
Traveling Boy 03:44

Total:  39:17

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