Steve Gibbons Band

Live At Rockpalast


  • CD
  • Date : 25.03.2011
  • Package : CD Digipack
  • Running Time CD : 1:08:33
  • DVD
  • Date : 25.02.2011
  • Package : DVD Digipack
  • Running Time : 1:10:56
  • Video Format : DVD 9
  • Audio Format : Dolby Digital
  • Regionalcode: 0
  • FSK: 0
  • DVD@Shop

Steve Gibbons Band – Live At Rockpalast

STEVE GIBBONS war gewiss kein Newcomer mehr, als er am 2. November 1981 mit seiner Band die Bühne des Berliner Metropol bestieg. Über 20 Jahre lebte er bereits von seiner Musik, die Beatles und Rolling Stones gehörten im Vergleich dazu fast schon zur nächsten Generation der Rock-Revolte.
Seitdem der gelernte Installateur 1959 im zarten Alter von 18. Jahren den „Elvis Presley Competition“-Preis seiner Heimatstadt Birmingham gewonnen hatte, war ihm eines klar: Früh aufstehen war gestern. Wie mühsam die Dauerparty allerdings werden kann, merkte er auf seinem transeuropäischen Streifzug durchs Beatzeitalter mit seiner Band The Uglys.
Der Ruf zu Höherem ereilte ihn ausgerechnet in Münster, Deutschland. Dor war er 1963 in der örtlichen Diskothek Kon-Tiki für einen Monat gebucht, und ein amerikanischer DJ legte eine Neuerscheinung auf, die GIBBONS musikalisches Weltbild komplett umkrempeln sollte. An die Stelle von Elvis, Eddie, Chuck und Gene trat nun Bob mit seinem Album „The Freewheelin’“. Wie sehr ihn Dylans Politfolk über die Jahre beeinflusste, sieht man nicht nur an der Gesangstechnik – GIBBONS gilt auch heute noch vielen Kritikern als „the nearest thing to Dylan“- auch die Texte der selbstkomponierten Titel wurden zunehmend gesellschaftskritisch und psychedelisch.
Die erste Single „Wake up my mind“ kletterte im Jahr 1965 sogar bis auf Chartposition Nr. 9 – allerdings in Australien. Kein Wunder, dass die Uglys ein Magnet für junge Musiker in Birmingham wurden: Dave Morgen (ELO) und Dave Pegg (Fairport Convention) lernten hier ihr Bass-Handwerk.
Als nächster Schritt war 1969 eine lokale Supergroup aus der Retorte angesagt. Trevor Burton von Move am Bass, Denny Laine von den Moody Blues an der Gitarre und Alan White (Pre-Plastic Ono Band, Yes) am Schlagzeug brachten unter der Namen Balls außer einer Single nichts zustande, aber immerhin das Geld ihrer Plattenfirma durch. Denny Laine: „We spent two years together, but most of the time we were drunk or stoned“.
GIBBONS hingegen hatte in der Zeit Wichtigeres mit seinem Vorschuss vor.

Unter der Leitung des Traffic- und Rolling Stones-Produzenten Jimmy Miller nahm er seine erste Solo-LP auf: „Short Stories“, die allerdings erst 1971 auf Denny Laines winzigen Wizard Label herauskam. Auch hier war alles vom Feinsten: Countrypicker deluxe Albert Lee (Heads Hands & Feet) & Jerry Donahue (Fotheringay) an den Gitarren; von Spooky Tooth waren dabei Gary Wright an den Keyboards, Greg Ridley am Bass und Mike Kellie an den Drums. Wie auch immer, die Balls kamen aus ihrem verqualmten Probe-Cottage nicht heraus und GIBBONS musste sich anderweitig nach einer Band umsehen, mit der er Geld verdienen konnte.
Da kam ihm ein Angebot von Jeff Lynnes Ex-Band gerade recht, die Idle Race suchten einen neuen Frontmann. GIBBONS rekrutierte gleich auch noch die Band neu und nach ein paar Monaten Übergangszeit entwickelte sich die neue STEVE GIBBONS BAND. Von Tea & Symphony kamen Bob Wilson an der Gitarre und Bob Lamb an den Trommeln, Dave Carroll war ein ebenfalls versierter Countryrocker an der zweiten Gitarre, Bob Griffin am Bass ein eher unbeschriebenes Blatt, das 1975 auch gegen Trevor Burton eingetauscht wurde. In diesem Jahr startete die STEVE GIBBONS BAND endlich richtig durch. Der ehemalige Entdecker und Manager von The Who, Peter Meaden, hatte die Band in einem Pub gehört und begeisterte erst mal Who-Boss Pete Townshend für das Power-Quintett, das mit seinen drei Gitarren – Gibbons selbst spielt eine gepflegte Rhythmusgitarre -gut in die aufblühende Southernrock-Schiene passte. Who-Bassist John Entwistle produzierte das erste Studioalbum der Band, „Any Road Up“, und Roger Daltrey schließlich coverte zwei Jahre später mit „One Of The Boys“ eine GIBBONS-Komposition. Im Schlepptau von The Who tourte die STEVE GIBBONS BAND bis 1980 um die halbe Welt, immerhin teilte sie sich ihre Aufgabe als Vorgruppe hier mit Acts wie Lynyrd Skynyrd oder AC/DC.
1980 jedoch war erst mal Schluss mit dem Höhenflug der STEVE GIBBONS BAND. Nach drei hervorragenden Studioalben – am wichtigsten sicherlich das Tony Visconti produzierte Album „Down In The Bunker“ 1978 – stiegen, bis auf den treuen Trevor Burton, alle Bandmitglieder aus und GIBBONS musste sich im musikalischen Neuland der 80ziger neu erfinden.

Da kam ihm natürlich das Revival der Musik seiner Anfangsphase entgegen: Auf „Street Parade“ (1980) gab es British Rock’n‘ Roll vom Feinsten. Auch die Anschlussplatte „Saints & Sinners“ (1981) änderte am neuen Konzept wenig. Zwischen weißem Cocktail-Blazer und schwarzer Biker-Jacke pendelte sich GIBBONS ein auf Songs für, tja, eben Biker oder Liebhaber exotischer Rhythmen, wie man sie von Kid Creole & The Coconuts in der Zeit ebenfalls serviert bekam.
Am 2. November 1981 entschied sich STEVE GIBBONS dann doch für etwas Gedecktes – dunkelblauer Anzug mit weißem Schal – , um das Rockpalast-Publikum auf seine Seite zu ziehen.

Auch wenn sich Rockpalast-Moderator Albrecht Metzger nur noch daran erinnern kann, „dass die Jungs ganz schön abgearbeitet“ ausgesehen hätten, sie waren in Wirklichkeit erst mal komplett aus dem Häuschen, denn ihr Vorprogramm wurde von einem der größten Idole des neuen Zweitgitarristen, P.J., bestritten. Kein Geringerer als Slide-Gitarren-Gott David Lindley glühte das Berliner Publikum vor. P.J. Wright war erst ein gutes halbes Jahr vor dem Rockpalast Gig zur STEVE GIBBONS BAND gestoßen und so auch an der Aufnahme der aktuellen LP „Saints & Sinners“ beteiligt. Legendär war seine umfangreiche Zettelsammlung der ersten Monate, auf der alle Songs fein säuberlich notiert waren. Zum Glück bemerkte man im November keinerlei Unsicherheiten mehr und P.J. sollte das am längsten dienende Mitglied der SGB werden, er blieb bis Mitte der Neunziger Jahre und hält GIBBONS im gemeinsamen Dylan Project bis heute die Stange, oder besser gesagt, allerlei Saiteninstrumente (Gitarre, Mandoline, Steel-Guitar). Als weitere Neuentdeckung gab Alan „Sticky“ Wickett sein Drum-Debut auf „Saints & Sinners“ und der anschließenden Tour. Er war derart vielseitig und kompetent, dass im Anschluss an seine Zeit bei der SGB nur ein Wechsel ins Jazz-Lager blieb: Er diente keinem Geringeren als Chris Barber – mit kleinen Unterbrechungen – bis 1998 und gab in dessen Jazz and Blues Band den Takt an. Derek Wood am Bass war ebenfalls neu im SGB-Team, er legte einen fundierten Bass, machte aber anschließend nur noch in lokalen Bands der Region Birmingham von sich reden. Als bedeutendster Lebensabschnittpartner von STEVE GIBBONS glänzt Trevor Burton im Rockpalst-Konzert wie selten zuvor.
Man merkt ihm an, dass die langen Jahre als Bassist der SGB seine wahre Meisterschaft an der Gitarre hatte in Vergessenheit geraten lassen und das er das jetzt definitiv ändern wollte. Aber nicht nur an diesem Abend erinnerten sich viele Fans an den Originalsound von Hits wie „Flowers In The Rain“, „Firebrigade“ oder „Lemon Tree“, hier hört man den jungen Trevor nämlich in der ersten Liga des britischen Psychedelic Pop bei der Birmingham Legende The Move.

Neben eigenen Titel nimmt sich GIBBONS viel Zeit, seinen eigenen Heroen Tribut zu zollen: „Paralyzed“ von Elvis, „Git It“ von Gene Vincent, „Bye Bye Johnny“ von Chuck Berry und natürlich Bob Dylan mit gleich zwei Nummern: „To Be Alone With You“ und „Like A Rolling Stone“, STEVEs absolute Lieblingsnummer des Zim.
Im Anschluss an das Rockpalast-Konzert gab es für die STEVE GIBBONS BAND neue Grenzen zu überschreiten: Sie waren die erste englischsprachige Rockband, die durch die DDR touren durfte. In Berlin, Rostock, Weimar, Erfurt, Cottbus, Halle und anderen Orts bot sich das gleiche Bild, das Publikum strömte nicht nur in die Konzerte, sondern sie interessierte sich auch intensiv für die Anlage der STEVE GIBBONS BAND, die auf einem eigenen Truck mit durchs Land reiste. Ähnliches an Licht- und Soundsystemen hatte es in der DDR vorher noch nicht zu bestaunen gegeben.
Für STEVE GIBBONS war die DDR-Tour eine “revelation on both sides”, die er im nächsten Jahr gleich wiederholen durfte. Was machte gerade GIBBONS zur ersten westlichen Rocklegende in der DDR? Vielleicht waren es seine unprätentiösen und stellenweise humorvollen Kurzgeschichten im Rockformat, die immer dicht an der sozialen Realität blieben, eine spannende Mischung aus Dylan und Dashiell Hammett. Obwohl seit dem Rockpalast-Konzert noch einmal 30 Jahre ins Land gegangen sind, ist STEVE GIBBONS immer noch unterwegs mit seiner Band und den ehemaligen Kollegen P.J. Wright, Dave Pegg, Gerry Conway und Phil Bond im Dylan Project. Auch mit 70 wird STEVE GIBBONS kein Newcomer sein, und das ist seine Stärke.
Michael Vonau (c) 2011

 

Player

TRACKLISTING:

01 ROCKPALAST INTRO
02  SOCIAL DANCE
03  A TO Z
04  LOVING ME, LOVING YOU
05  NO SPITTING ON THE BUS
06  THE RUGGED ROCK
07  ..BIGGEL’S FLY’S UNDONE
08  TO BE ALONE WITH YOU
09  ..PARALYZED
10  ..B.S.A.
11  GAVE HIS LIFE FOR R’N’R
12  ..GET IT
13  ..DOWN IN THE BUNKER
14  BYE BYE JOHNNY
15  ..LIKE A ROLLING STONE

Photos

http://www.mig-music.de/wp-content/uploads/2015/07/STEVE_GIBBONS_BAND_01.jpg

http://www.mig-music.de/wp-content/uploads/2015/07/STEVE_GIBBONS_BAND_02.jpg

http://www.mig-music.de/wp-content/uploads/2015/07/STEVE_GIBBONS_BAND_03.jpg

http://www.mig-music.de/wp-content/uploads/2015/07/STEVE_GIBBONS_BAND_04.jpg

http://www.mig-music.de/wp-content/uploads/2015/07/STEVE_GIBBONS_BAND_05.jpg

http://www.mig-music.de/wp-content/uploads/2015/07/STEVE_GIBBONS_BAND_06.jpg

Photos by Manfred Becker

Share This