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Zu MIG Musics beachtlicher Reihe an Schätzen deutscher Rockgeschichte gesellt sich ein weiteres Kleinod: das Album “Reflections On The Future” der Band TWENTY SIXTY SIX & THEN aus Mannheim aus dem Jahr 1972. Um gleich mit Tür ins Haus zu fallen: Diese neue Edition hat nichts mit den unsäglichen vorher erschienenen Re-Releases gemein. Das Material wurde von MIG sorgfältig neu gemastert und mit acht neuen Bonustracks versehen (Studio Live-Versionen, “The Munich Sessions” featuring Curt Cress an den Drums und Donna Summer als Gastsängerin). Abgerundet wird diese MIG-Edition von ausführlichen Linernotes und zahlreichen Fotos. Kurz gesagt: Endlich ein rundes, beeindruckendes Vermächtnis von einer der talentiertesten jungen Bands aus den frühen Tagen des Krautrocks!

Mit Formationen wie Aera, Emergency, Karthago oder Kin Ping Meh gehört auch TWENTY SIXTY SIX & THEN zur Riege progressiver Heavy-Rock-Bands, die in Deutschland Anfang der Siebziger wie die Pilze aus dem Boden schossen und heutzutage dem Krautrock-Genre zugeordnet werden. Die Band entstand  im Mai 1971 in Mannheim. Zur Urbesetzung gehörten der Sänger Geff Harrison, der einzige Engländer in der Band, Veit Marvos und Steve Robinson an den Orgeln, der Gitarrist Gagey Mrozeck, Dieter Bauer am Bass und der Schlagzeuger Konstantin Heinrich Bommarius.

Geff Harrison, Gründungsmitglied und Frontmann von TWENTY SIXTY SIX & THEN, erinnert sich gut an die Anfänge. Er stammt aus Salford, einer Stadt im Nordwesten Englands und Teil des Metropolitan County Greater Manchester. Mit der Manchester-Band Some Other Guys kam er Mitte der 1960er Jahre nach Deutschland, tingelte mehr oder minder erfolgreich durch die Provinz – meistens überall dort, wo die Alliierten noch ihre Soldaten stationiert hatten. Aus den Some Other Guys wurde bald I Drive. Die Band lebte fortan in München und trat viel in Bayern auf. Auch der musikalische Stil hatte sich geändert – Rock mit psychedelischen und progressiven Elementen. Und dann strandete Geff eines Tages auf der Schildkröteninsel und blieb in Mannheim hängen. „Die WG Schildkröteninsel war für mich so etwas wie eine neue kulturelle Basis.“

Die Band TWENTY SIXTY SIX & THEN bestand aus talentierten jungen Mannheimer Rockmusikern, die zum Teil in der Wohngemeinschaft lebten. Geprobt und arrangiert wurde im Keller der WG, hier entstanden auch die meisten Kompositionen, Riffs und Hooklines. „Die Songideen wurden meistens eingebracht von unseren beiden Keyboardern, Steve Robinson und Veit Marvos. Mit unserem Gitarristen Gagey Mrozek entwickelten sie das Gerüst und die Strukturen unserer Songs, ich legte dann die Gesangsmelodien fest und schrieb die Texte dazu“, erzählt Geff Harrison. „Das klappte immer gut und lief sehr entspannt ab.“

Mit “Reflections On The Future” veröffentlichten die sechs Vollblutmusiker 1972 ihr Debüt beim Branchengiganten United Artists Records, der zu diesem Zeitpunkt bereits Bands wie Hawkwind, Black Widow, IF, Amon Düül II, Can oder Canned Heat im Programm hatte. Es sollte das einzige Album bleiben. Zwar kam „Reflections On The Future“ bei der Kritik sehr gut an, und das Radio spielte trotz Überlänge die Titel des Erstlingswerks, doch das breite Publikum erreichte man trotzdem nicht. Die LP floppte an den Kassen der Schallplattenläden und TWENTY SIXTY SIX & THEN war bereits nach 1½ Jahren ein Bestandteil der kurzlebigen deutschen Rockgeschichte.

Nach dem Flop des Debüts verstreuten sich die Mitglieder der Band nicht in alle Winde, sondern blieben in Mannheim und machten Karriere u.a. mit zwei weiteren Krautrock-Urgesteinen, den Bands Emergency (Veit Marvos) und Kin Ping Meh (Gagey Mrozeck und Geff Harrison). „Unser Drummer Konstantin Bommarius wechselte zu Abacus die hatten gerade einen längerfristigen Vertrag von Polydor bekommen“, weiß Geff zu berichten. „Steve Robinson nahm diverse Projekte mit Michael Bundt (Nine Days Wonder) in Angriff und unser Bassist Dieter Bauer spielte u.a. mit den Jazzrockern von Aera zusammen, der Jim Kahr Group, Margo und LÜÜL. Gagey spielte nach unserer gemeinsamen Zeit bei Kin Ping Meh in den Bands von Edo Zanki und Herbert Grönemeyer. Für Herbert schrieb er auch ein paar Songs, wie z.B. „Alkohol“, manchmal produzierte er die Sachen auch oder war für die Arrangements zuständig.“

Geff Harrison selbst konzentrierte sich nach seiner Zeit als Kin Ping Meh-Frontmann auf seine eigene Karriere und feierte 1975 mit dem Album „Salford“ sein viel beachtetes Solodebüt.

Ab 24. Februar ist “Reflections On The Future” von TWENTY SIXTY SIX & THEN im Handel erhältlich.

 

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