Trilok Gurtu & Simon Phillips

21 Spices
(Art of Groove)


  • CD
  • Date : 25.02.2011
  • Package : CD Digipack
  • Running Time CD : 55:07
  • Double Vinyl
  • Date : 25.02.2011
  • Running Time : 55:02
  • Details : limited

Trilok Gurtu – 21 Spices

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Es hätte auch schief gehen können. Schließlich bedeutet es nicht zwangsläufig ein Plus an musikalischem Genuss, wenn zwei trommelnde Koryphäen gemeinsam auf der Bühne stehen. „21 Spices“ jedoch wurde ein Erfolg, enthusiastisch von Presse und Publikum bei mehreren Konzerten im vergangenen Frühjahr gefeiert. Denn Wolf Kerschek hatte für die NDR Bigband als Arrangeur dieser von Trilok Gurtu komponierten Titel die Solisten mit Bedacht gewählt. Mit dem indischen Tabla-Spezialisten und Schlagzeuger Trilok Gurtu, der zusammen mit Produzent Joachim Becker ebenfalls an der Konzeption beteiligt, und dem durch seine Arbeit für die Rockband Toto bekannt gewordenen Briten Simon Phillips standen zwei Gäste auf der Bühne, deren musikalische Wurzeln kaum weiter auseinander hätten liegen können.

Umso faszinierender hört sich das Resultat der Kombination an, zumal mit Michel Alibo am Bass und dem Gitarristen Roland Cabezas dem Projekt noch weitere Würze verordnet wurde. „21 Spices“ steht daher für die 21 beteiligten Musiker, die mal schärfer, mal verhaltener der Musik Charakter geben und ein ungewöhnliches Sound-Erlebnis geschaffen haben. Beispiel „Piece Of Five“, die Einführung in die sieben Songs, die auf dem Album die Essenz des Treffens festhalten. Es ist ein Streifzug durch die musikalischen Welten, am Anfang klassisch anmutend mit verhaltenen, flächenhaften Bläsern und dezenter Tabla und mit einer Prise Fusion-Ahnung verfeinert. Dem folgt eine schrittweise wachsende Klangfülle, geleitet vom Tenorsaxofon von Lutz Büchner, das elegant erzählend mit Steigerung und Rücknahme spielt. Es ist der Opener für das eigentliche Feuerwerk, das unmittelbar im Anschluss in „1-2 Beaucoup“ mit der markanten Sprachpercussion Gurtus einsetzt.

Der Aufbau zeigt, wie umsichtig Dirigent Jörg Achim Keller mit den Besonderheiten seiner Gäste umzugehen versteht. Trilok Gurtu beispielsweise ist ein Pionier stilistischer Grenzüberschreitung, der jedoch fest in der Tradition seiner indischen Heimat verwurzelt ist. geboren in Bombay, groß geworden in einer musikalischen, weltoffenen Familie, spielte er bereits als Kind in verschiedenen Percussiongruppen.

In den Siebzigern verließ er Indien, fand über Charlie Mariano seinen Weg in die Ethno-Jazz-Szene und war im folgenden Jahrzehnt mit Größen wie John McLaughlin, Joe Zawinul, Pat Metheny unterwegs. Gurtu wurde Mitglied von Oregon und bald auch ein Markenzeichen für die anspruchsvolle Verknüpfung perkussiver Welten.

Seit längerem lebt er in Hamburg, hat mit zahlreichen eigenen Projekten seine Spuren in der World Jazz Historie hinterlassen, bis hin zu afrikanischen Kooperationen etwa mit dem Sänger Salif Keita.

Simon Phillips wiederum ist für viele einer der besten, weil präzisesten Drummer der Gegenwart. Er stammt aus London und wurde durch seinen ebenfalls trommelnden Vater bereits früh in die Welt der Profimusiker eingeführt. Seine Feuertaufe bestand Phillips im Team des Musicals „Jesus Christ Superstar“. Einem größeren Publikum wurde er daraufhin zunächst als Drummer von Mike Oldfield, von 1992 an dann vor allem als Nachfolger von Jeff Pocaro bei der Edelrockcombo Toto bekannt.

Inzwischen liest sich die Liste seiner Aufnahmen und Arbeiten wie ein Lexikon der Rockgeschichte und reicht von Peter Gabriel und Gary Moore über Asia und The Who bis hin zu Judas Priest und Joe Satriani. der Bassgitarrist Michel Alibo aus Martinique ist vor allem Kenner der französischen und afrikanischen Jazzszene ein Begriff. Während des vergangenen Jahrzehnts konnte man ihn unter anderem an der Seite von Salif Keita, Nguyên Lê, mit der Band Sixun oder auch eigenen Projekten erleben.

Der deutsch-spanische Gitarrist Roland Cabezas schließlich stammt aus Hamburg, gehört seit rund drei Jahren zur Working Band von Trilok Gurtu und hat bereits an der Seite von Kollegen wie Jan Garbarek, Oumou Sangare oder auch David Knopfler auf sich aufmerksam gemacht.

So setzt sich für „21 Spices“ ein illustres Team aus Solisten zusammen, das wiederum auf den Luxus eines herausragenden großen Ensembles aufbauen kann. Denn die NDR Bigband des norddeutschen Rundfunks gehört zu den Besonderheiten der deutschen Jazzlandschaft. Ihre Wurzeln reichen zurück bis in die Nachkriegszeit, als in Folge der Neugestaltung der Radiolandschaft durch die Alliierten auch ein Radio-Tanzorchester gegründet wurde. Bis in die frühen sechziger Jahre hinein blieben die Programme überwiegend der Unterhaltung verpflichtet.

Von 1963 an jedoch gehörten zunehmend auch Jazzprojekte zum Profil des Ensembles. während der siebziger verwandelte sich das Tanzorchester schrittweise in eine Jazz Bigband, deren Solisten jeder für sich Individualität und Ideen zur Gestaltung ungewöhnlicher Programme beisteuerten.

Im Jahr 1980 wurde dann dem Pianisten Dieter Glawischnig die Leitung des Ensembles übertragen und mit ihm war der richtige Mann gefunden, der aus der NDR Bigband ein Orchester machte, dessen Ruf sich mit ungewöhnlichen Aufnahmen international etablierte. Er holte Gäste wie Carla Bley, Joachim Kühn oder Bennie Wallace für Konzert-Projekte, kreierte Programme mit Michael Gibbs, George Gruntz oder Colin Towns und sorgte dafür, dass das Ensemble zu den Highlights viele Festivals wie etwa Jazz Baltica gehörte.

Als er 2008 den Dirigentenstab an Jörg Achim Keller übergab, konnte sein schweizer Kollege an eine brillante Arbeit anknüpfen, die wiederum aufwändige, musikalisch komplexe Fusionen wie „21 Spices“ erst möglich machte. Gemäß der Arbeitsweise der NDR Bigband wurden in den Probenphasen Projekte wie etwa mit João Bosco, Omar Sosa oder eben Trilok Gurtu und Simon Phillips auf die Beine gestellt, die daraufhin in mehreren Konzerten präsentiert und von der Profis des Rundfunkteams für die Jazzwelt festgehalten wurden.

Die Aufnahme „21 Spices“ hat daher den Charakter eines einmaligen Ereignisses, das ein besonderes, für eine Konzertsaison erarbeitetes Projekt mit ausgezeichneten Beteiligten präsentiert. In einer Mischung aus Studio und Live-Aufnahmen dokumentiert das Album für alle, die bei der Uraufführung des Programms am 21.Mai 2010 beim Drums‘N‘Percussion Festival in Paderborn oder auch in Hamburg beim Elbjazzfestival nicht dabei sein konnten, die furiose Energie eines Trommlertreffens, das durch die NDR Bigband auf eine weitere Stufe klanglicher Vielfalt und musikalischer Raffinesse gestellt wurde.

 

Player

Tracklist:

1. PEACE OF FIVE
2. 1-2 BEAUCOUP
3. KURUK SETRA
4. BALAHTO
5. BROKEN RHYTHMS
6. JHULELAL
7. 21 SPICES

Fotos

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