Blick zurück in die Neunziger, nach Berlin. In der damaligen Frontpage-Redaktion stehen Herausgeber Jürgen Lahrmann und Klaus Schulze am Fenster. Unten zieht eine Riesenmenschenmenge zu wummernden Beats tanzend vorüber – die Love Parade. “Guck mal, Klaus”, grinst Lahrmann, “was du angerichtet hast!” Seit jener Zeit gilt Schulze als “Godfather of Techno”, und es entdecken auch jüngere Generationen seine klassischen Alben voller Musik, die bis auf wenige Ausnahmen völlig zeitlos klingen. Wie etwa das Meisterwerk “Mirage”, das MIG vor drei Monaten anlässlich des 40. Jahrestages des Albums in einer klanglich überarbeiteten Edition wiederveröffentlicht hat.

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Mit seinen opulenten Soundscapes gehört der ehemalige Schlagzeuger Klaus Schulze in der Tat zu den Ersten, die elektronisch erzeugte Klänge populär machten. „Die LP Mirage“, so prophezeite Record World seinerzeit, „wird Klaus Schulze langfristig als einen der überragenden Komponisten elektronischer Musik etablieren.“

Ebenso war Schulze Ende der 1960er Jahre einer der ersten Deutschen, die einen Moog-Synthesizer sein eigen nennen durften. Wie Klaus im Gespräch mit seinem Labelchef Manfred Schütz erzählt, war es Florian Fricke, dem er seinerzeit den berühmtem Moog-III-Synthesizer abgekauft hatte. In Schulzes Studio hat “Moogybaby” inmitten der ganzen imposanten Technik nach wie vor einen Ehrenplatz.

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Zusammen mit Pete Namlook brachte KS zu Ehren des geschätzten Geräts/seines Lieblingsspielzeugs noch eine ganze Serie heraus: “The Dark Side of The Moog”, erhältlich in drei Boxen mit jeweils Teil 1-4, 5-8 und 9-11. Überhaupt: Klaus und seine Kollaborationen wären ein Kapitel für sich. Musikalisch ist KS stets dicht dran am Puls der Zeit und immer offen für jede Art von neuer Musik. Und er ist sich nicht zu schade, mit anderen Kontakt aufzunehmen. Eines schönen Abends – Klaus arbeitet gern in den Stunden, wenn es draußen bereits dunkel wird – klingelt das Telefon bei Thomas Dams und George Solar. Klaus lädt sie in sein Studio ein. Solar Moon startete einen ihrer typischen Beats als Loop, KS stieg dann mit einem seiner Synthesizer ein. Und am Ende einer nahezu traumhaften Session steht “Ultimate Docking“, ein Album voller Rhythmus und guter Laune. “Docking” erschien 2000 ursprünglich als Teil des streng limitierten und lang vergriffenen 10-CD-Boxset “Contemporary Works”, und ist nun erweitert durch umfangreiches unveröffentlichtes Material aus jenen Aufnahmesessions als Doppel-CD im geschmackvoll gestaltetem Digipak wieder erhältlich. Tom Dams ist bis heute Klaus Schulzes Tontechniker des Vertrauens. Er nennt Solar Moon liebevoll die „Mooningers“ und sie ihn voller Respekt „Lord Helmet, Master of the Boards“.

Mit der Veröffentlichung des Geburtstagsalbums “Klaus Schulze – eternal. the 70th birthday edition” bringt MIG jetzt einige teils unveröffentlichte, teils extrem rare Tracks heraus. So enthält CD 1 ein komplettes unveröffentlichtes Schulze-Album, und CD 2 seltene Tracks aus Compilations, die seinerzeit für Keyboard-Hersteller aufgenommen und in sehr kleinen Auflagen auf Musikmessen verteilt wurden.

Der Kreis derjenigen, die Klaus Schulze und seine Musik lieben, wächst weiterhin kontinuierlich. Stellvertretend für sie alle sagt das Team von MIG Music “Danke, Klaus, für Deine Musik! Wir gratulieren Dir ganz herzlich und wünschen Dir alles erdenklich Gute! Bleib uns noch lange erhalten!”

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