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  • Date : 28.09.2012
  • Package : CD Digipack
  • Running Time CD : 38:34
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Novalis – Bumerang

 

In den Jahren 1983 und 1984 hatten Novalis die schwerste Phase seit Gründung der Band zu bewältigen. Allerorten machten sich Auflösungserscheinungen bemerkbar. So hatte das “assoziierte Mitglied”, der Bassist Heinz Fröhling (zuvor Saitenvirtuose beim Oldenburger Progressive Rock-Trio Schicke, Führs, Fröhling, bzw. -Duo Führs & Fröhling), dem Quintett nach nur zwei Jahren und Alben den Rücken gekehrt, nachdem er 1981 Gründervater Heino Schünzel ersetzt hatte. Auch Sänger und Texter Fred Mühlböck trug sich in dieser Ära mit Abwanderungsgedanken. Zumindest für eine Kooperation würde der Österreicher der Gruppe allerdings noch als Frontmann erhalten bleiben. Heinz Fröhling wurde, ebenfalls für eine einzige Produktion, durch den renommierten Sessionmusiker Thissy Thiers ersetzt, der schon bei den Rattles und Randy Pie seinen kernigen Bass gezupft hatte.
Jedenfalls: Ganz erloschen war das Novalis-Feuer auch ein Dutzend Jahre, nachdem es erstmals entfacht worden war, noch nicht. “Wir hatten durchaus ein paar weiterer interessanter Ideen im Köcher”, weiß Keyboarder Lutz Rahn zu berichten. So werkelte man an zehn Titeln, die 1984 unter dem Titel “Bumerang” das Licht der Welt erblicken sollten. Produzent war Rahn, an seiner Seite als Mixer hatte sich ein Mann mit legendärem Namen gesellt: Drafi Deutscher Junior, Sohn des gleichnamigen “Marmor, Stein und Eisen bricht”-Interpreten.
“Uns war während der Arbeit an “Bumerang” klar”, erinnert sich Lutz zurück, “dass sich nach dem Ende der Produktion bei Novalis gravierend etwas verändern würde. Und so kam es auch.” Fred Mühlböck verließ die Band unmittelbar nach der Fertigstellung von “Bumerang”, er wurde Angestellter des Hamburger “Schacht”-Musikverlags, betreute dort in einem Studio die Produktionen anderer Bands. Ganz hatte er seine aktive Karriere als Sänger noch nicht aus den Augen verloren, vielmehr feilte er an einer Solo-Platte namens “Nichts als Liebe”, die allerdings erst 1987 veröffentlicht werden sollte und in der Öffentlichkeit kaum Beachtung fand. “Keine Frage, “Bumerang” hat nicht mehr den Charakter früherer Novalis-Werke, vor allem nicht den der progressiven Alben unserer Anfangstage”, erläutert Lutz Rahn. “Trotzdem finden sich darauf etliche hübscher Melodien, die immer noch den romantischen Grundton besitzen, für den diese Gruppe berühmt wurde. Textlich gab es nicht mehr ein durchgehendes Konzept, dafür zeitgemäße Momentaufnahmen, ohne sich bei der damals so angesagten “Neue Deutsche Welle” anzubiedern. Alles in allem ist “Bumerang” eine richtige Novalis-Angelegenheit.”
Tatsächlich erinnert so einiges an Art Rock-Koryphäen wie Alan Parsons Project oder mittlere Genesis, das wunderschöne Querflöten-Solo auf “Spazieren am Morgen” könnte problemlos auch von Camel-Mastermind Andrew Latimer anstatt von Mühlböck stammen. Und auch das gefühlvolle Saxophon auf “Nimm meine Hand”, ebenfalls von Fred, ist eine Klasse für sich. Der positive Eindruck der Produktion überwiegt definitiv, trotz der schwierigen Umstände, unter denen “Bumerang” entstand. Denn obwohl die Plattenfirma liebend gerne mehr Einfluss auf das Geschehen genommen hätte, ließen sich Novalis nicht gängeln. “Bumerang” ist bei allen äußeren Komplikationen ein homogenes Stück Pop-Musik geworden. Ein Jahr nach der Veröffentlichung dieser Platte raffte sich die Rumpfmannschaft um Schlagzeuger Hartwig Biereichel, Gitarrist Detlef Job und Keyboarder Lutz Rahn zusammen mit dem neuen Frontmann Ernst Herzner auf, um mit dem Album “Nach uns die Flut” 1985 den musikalischen Schlusspunkt unter das Kapitel Novalis zu setzen. Was bleibt, sind die alles überdauernden gut ein Dutzend Alben jener Band, die dem Namen “Romantik-Rock” für immer seinen Stempel aufdrücken werden.
von: MICHAEL FUCHS-GAMBÖCK

Tracklisting:

01. Nimm meine Hand (4:35)
02. Setz dich zu mir (3:27)
03. Spazieren am Morgen (3:50)
04. Torero der Nacht (4:15)
05. Über Stock und Stein (3:50)
06. Bumerang (4:27)
07. Wien (3:36)
08. Horoskop (3:37)
09. Espresso (3:11)
10. Talisman (3:46)

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